Armenien und seine Nachbarn

Schweren Herzens verlassen wir Georgien, haben wir uns doch so sehr in das kleine kaukasische Land verliebt. Und mit der Grenze zu Armenien ändert sich auch wieder einmal die Landschaft. Die Bäume fehlen nun, der armenische Norden liegt hoch und karg. Je näher wir in Richtung Yerevan trampen, desto größer drohnt der Berg Ararat vor uns. Ein weisser hoher Schneegipfel. Hier soll der Bibel nach, Noah mit seiner Arche angelegt haben. Der Berg war einst armenisch, heutzutage allerdings liegt er knapp auf türkischem Gebiet. Und trotzdem ist er Armeniens ganze Stolz. Der Gipfel ziert unsere Einreisestempel, armenisches Bier hat den Berg im Wappen, gefühlt jedes zweite Hotel heisst Ararat. Er ist das Symbol, egal wohin wir sehen.
Das wiederum hat der Türkei nicht gefallen, erzählt man uns. Sei es doch ihr Berg, und habe nichts in den armenischen Wappen zu suchen. Doch Armenien stellt die Gegenfrage:
Warum hat die Türkei dann den Mond in ihrer Flagge?
Von Jerewan gehen wir nach Berg-Karabach. Ein kleines autonomes Land, das völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, aber tatsächlich unter armenischer Obhut steht. Russland, Armeniens “großer Bruder“ hat das vor vielen Jahren so entschieden. Seitdem bekriegen sich die beiden Staaten um das Gebiet.
In der Hauptstadt Stepanakert laufen scharenweise junge Soldaten durch die Strassen, ein Panzer rollt an uns vorbei. Beim Zelten sind wir vorsichtig, gibt es hier wohl auch noch Landminen. Und doch strahlen die Menschen Karabachs eine unglaubliche Friedseeligkeit aus. Sie lächeln, freuen sich über Reisende aus der Ferne und schenken uns Nüsse, Kakis und Granatäpfel.
Es ist Herbst und Erntezeit im südlichen Kaukasus und das Licht taucht alles in Gelb und Gold.