Bepackt

Dass ein Mensch alleine einen Kühlschrank tragen kann, habe ich noch vor der nepalesischen Grenze für nahezu unmöglich gehalten. Dass man einen Kühlschrank mit einem um den Kopf geschlungenen Seil tragen kann, lag bisher außerhalb meiner Vorstellungskraft.
Selbiges gilt für das Tragen von 12 Ventilatoren gleichzeitig oder unzähligen Kilo Gemüse oder Obst.
In den Straßen von Kathmandu, in den Dörfern und sogar in den Bergen des Himalayas sehen wir Bilder wie diese; ein großes Stirnband-Seil und jemanden, der Superkräfte zu besitzen scheint. Doch wer hier durch und durch trainierte Mukki-Männer unter den Lasten erwartet, wir überrascht werden. Meist klein und eher schlank kommt der „Porter-Nepali“ daher; eine der schönen, pastellfarbenen Nepali-Kappen auf dem Kopf. Gerne, obwohl schwer beladen, mit einem Lächeln auf den Lippen.
Eine lange Tradition. Eine Notwendigkeit im Lande der höchsten aller Berge.
Tragen ist hier im übrigen keine Männerdomäne, auch Frauen und Kinder hieven Lasten die steilen Berge hinauf. Ziegen, Säcke voller Reis oder große Körbe gefüllt mit Brennholz sehen wir an die Köpfe der Menschen geschnürt.
Für Touristen hiefen die so genannten „Sherpas“, Hab und Gut, für lang erträumte Bergtouren, über verschneite Pässe und Gipfel. Dort, wo Europas höchster Berg schon lange klein wirkt, werden Nepalis mit Habseligkeiten beladen und schleppen diese für „Komfort-Bergsteiger“. 30 bis 40 Kilo, ein oft trauriges Bild. Arbeitsbedingungen am Rande der Menschlichkeit.
Wir denken: Wer hier wandern will, muss Bewusstsein haben; Beim Packen das dicke Buch, oder die große Flasche Shampoo doch besser im Tal lassen anstatt es dem Porter in den Rucksack zu packen.
Für uns gilt: Selber tragen. Und wir fluchen schon über unsere 15 Kilo-Rucksäcke. Aber es lohnt sich. 20 Tage, Zelt, 5400 Meter, eine Landschaft, die durch ihre Schönheit geradezu berauscht...