Zwischenzeitlich

Seit der Geburt von Bruno werden wir immer wieder gefragt:
„Und, wie funktioniert das, mit Kind zu reisen?“
Innerlich frage ich mich dann immer, was die Leute denn nun hören wollen. Ob es für uns funktioniert oder ob es für das Kind funktioniert? Ob es schöner ist als davor? Ob es anstrengend ist? Ob es uns verändert hat?

Aber eigentlich kann ich nur antworten:
„Natürlich, ein Kind verändert, so auch eine Reise! Auf einmal sind da drei Ideen, nicht mehr nur zwei. Drei Bedürfnisse, drei Wünsche.
Und ich denke, Reisen funktioniert nur dann mit Kind nicht, wenn man versucht, genauso weiter zu reisen, wie man es ohne Kind gewöhnt war.“

Wir haben uns umgestellt und deshalb funktioniert es für uns bestens. Wir reisen jetzt viel langsamer und strukturierter. Oft verbringen wir mehrere Wochen am gleichen Ort und wissen jetzt gerne morgens schon, wo wir am Abend schlafen werden (zumindest so ungefähr). Das war die ersten beiden Reisejahre fast nie der Fall, wir haben uns viel mehr treiben lassen. Aber es ist jetzt nicht besser oder schlechter, es ist einfach anders! Neu! Aufregend!

Von Guatemala führt unser Weg uns weiter durch El Salvador und Honduras bis nach Nicaragua. Hier und da verbringen wir Tage, manchmal werden aus den Tagen Wochen ohne dass wir es richtig merken. Wir wandern, fahren, erfahren, entdecken. Wir sehen Orte an denen unsere Träume für die Zukunft wachsen. Tauschen, wann immer möglich, unser Können gegen Kost und Logie, oder wie im nicaraguanischen Matagalpa, gegen professionellen Spanischunterricht (den wir gut gebrauchen können!). So entstehen weitere kleine Filmchen aber vor allem weitere weite Freundschaften.

Wenn wir morgens aufwachen sagt Patrick nicht selten: „Das fühlt sich an, als ob heute Sonntag wäre“. Und obwohl wir uns zu dritt nichts Besseres vorstellen könnten, als jeden morgen Sonntag zu haben, mischt sich langsam ein ganz neues Gefühl unter all die Neugierde, die Reiselust und den Entdeckerdrang- Heimweh.

Eigentlich wollten wir immer von Mexiko bis nach Feuerland fahren. Doch die Panamerikana, wie man diese Strecke nennt, hat eine Unterbrechung. Sie endet hinter der panamaischen Grenzen im Nichts des kolumbianischen Dschungels und ist erst einige huntert Kilometer weiter südlich wieder befahrbar. Für uns „Overlander“ bedeutet das, dass hier die Fahrzeuge samt Besatzungen verschifft werden müssen. Ein komplizierter und auch teurer Prozess, den wir, auf dieser Reise, wohl nicht mehr machen werden.